Augeninnendruckmessung (Tonometrie)

Die Messung des Augeninnendrucks sollte obligater Bestandteil einer gründlichen Augenuntersuchung sein, ist aber in der Regel keine Kassenleistung, falls nicht schon krankhafte Veränderungen bekannt sind (z.B. erhöhter Augeninnendruck).

Nach Eintropfen von Augentropfen (Farbstoff + Lokalanästheticum) wird durch Messung mit dem Applanationstonometer n. GOLDMANN (schmerzfrei) der Augeninnendruck bestimmt. Diese Meßmethode ist bis heute der Goldstandard der Augeninnendruckmessung.

Die Tonometrie sollte durchgeführt werden:

  • bei erhöhtem Augeninnendruck (Okuläre Hypertension)

  • bei allen Formen des grünen Stars (Glaukom)

  • ab dem 40. Lebensjahr
  • bei familiärer Glaukombelastung
  • bei Cortison- und Medikamenteneinnahme, die eine Augendrucksteigerung verursachen können
  • bei Personen mit niedrigem Blutdruck und/oder vasospastischen Symptomen (kalte Hände) und Personen mit hohem Blutdruck
  • bei schwarzhäutigen Menschen
  • bei allen Erkrankungen, die sekundär eine Augendrucksteigerung verursachen können sowie nach Augenverletzungen wie z.B. Augapfelprellungen

Das statistische Risiko an einem Glaukom zu erkranken steigt ab dem 40. Lebensjahr von
0,5 - 2%, bei den über 60-Jährigen auf 6% und bei den über 80-Jährigen auf ca.10 - 17%. Die Prävalenz der okulären Hypertension ist zehnmal höher und beträgt ca. 6 - 8% jenseits des 45. Lebensjahres.

Das Glaukom ist eine der häufigsten Ursachen der Erblindung. Auch in den Industrieländern sind bis zu 50% aller Glaukomerkrankungen unerkannt. Schwarze Hautfarbe bedingt ein vierfach erhöhtes Erkrankungsrisiko im Vergleich zur gleichaltrigen weisser Rasse. Wenn einer der Eltern an Glaukom leidet, ist das Erkrankungsrisiko doppelt so hoch. Bei Erkrankung einer der Geschwister ist das Risiko, selbst an einem Glaukom zu erkranken, viermal so hoch. Kurzsichtige haben ein 2 - 3-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Gewichtheben bei Frauen und das Spielen von Blasinstrumenten mit hohem Anblasdruck bei beiden Geschlechtern können das Risiko für Glaukom erhöhen.

Bei gesunden Patienten sollte ab dem 40. Lebensjahr alle 2 Jahre eine Augeninnendruckmessung erfolgen, ab dem 50. Lebensjahr jährlich. Bei familiärer bekannter Glaukomerkrankung (2 - 4-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko) sollten frühzeitig je nach Drucklage und Befund des Sehnervenkopfes individuelle Kontrollintervalle bestimmt werden.

Der Normwert des Augeninnendrucks liegt beim Gesunden zwischen 10 - 21 mmHg. Bei erhöhtem Augeninnendruck wird in der Regel ein sogenanntes Tagesdruckprofil mit mindestens 4 Messungen/Tag durchgeführt, da der Augeninnendruck erhebliche tageszeitliche Schwankungen aufweisen kann. Manchmal sind zusätzliche Messungen gegen Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden erforderlich.

Benefit

Die Tonometrie ermöglicht ggf. die frühzeitige Diagnose eines erhöhten Augeninnendrucks und kann damit der Schlüssel zur Erkennung einer potentiell das Sehvermögen bedrohenden  Glaukomerkrankung sein. Sie stellt die klassische Screening-Untersuchung dar.